Einen ESXi-Host zu dimensionieren heißt, die virtuellen Maschinen des Alltags plus Sicherung plus ein bisschen Wachstum unterzubringen, ohne dass der Datastore vollläuft, sobald jemand einen Snapshot vergisst. Die Kernzahl der CPU ist dabei selten die erste Grenze. Arbeitsspeicher, die Schreiblast der Platten und ein Netzweg, der die nächtliche Sicherung nicht mit den Benutzern teilt, entscheiden, ob der Host ruhig bleibt.
Welche Ressource zuerst knapp wird
Alte physische Server wirken ausgelastet, weil jedes System Windows und Dienste für sich startet. In der Summe ist die CPU trotzdem oft überdimensioniert, während der Datenbankserver den RAM braucht, den man ihm auf dem Blech nie gegeben hat. Wer die alten Werte eins zu eins addiert, kauft zu viele Kerne und zu wenig Speicher. Wer nur den Tagesmittelwert der CPU misst und die Lohnverrechnung am Monatsanfang ignoriert, kauft zu klein.
Dazu kommt die Lizenzwirklichkeit. Die früheren kostenlosen ESXi-Pakete gibt es in dieser Form nicht mehr; VMware wird über Broadcom in anderen Modellen lizenziert, und die Modelle ändern sich. Wir rechnen den konkreten Host mit den aktuellen Bedingungen, statt ein Angebot von vor Jahren fortzuschreiben. Hardware, die nicht auf der Kompatibilitätsliste der eingesetzten Version steht, spart beim Kauf und kostet beim ersten Update, das der Controller nicht überlebt.
RAM, Datastore und Netz vor der Kernzahl
- Messen. CPU, RAM und Plattenlatenz der bestehenden Server über einen Zeitraum mit Monatsabschluss, nicht an einem ruhigen Mittwoch. Ausreißer werden notiert, nicht weggemittelt.
- RAM. Datenbank, Terminalserver und Dateidienste bekommen festen Arbeitsspeicher mit Puffer. Der Host selbst und ein Reservepolster bleiben außerhalb der Summe der Maschinen.
- Speicher. Der Datastore liegt auf einem RAID, das zur Schreiblast passt, mit Controller-Cache und ausgewiesenem Freibereich. Die Sicherung ist ein anderes Gerät.
- Netz. Management, virtuelle Maschinen und Sicherungsverkehr werden getrennt, soweit die Ports reichen. Eine einzelne Netzwerkkarte für alles ist eine Ausfall- und eine Leistungsgrenze.
- Liste. Server, Controller und NICs werden gegen die Kompatibilitätsliste der Zielversion geprüft, bevor bestellt wird. Die Lizenzform wird parallel am aktuellen Stand gelesen.
Der Host braucht einen eigenen Management-Zugang, der nicht nur über die virtuellen Maschinen erreichbar ist. Fällt das Gastsystem aus, das zufällig das einzige Sprungbrett war, steht man vor einem Gerät ohne Tür. Ein separater Management-Port und ein dokumentiertes lokales Konto, dessen Kennwort nicht nur im Passwortmanager des ausgefallenen Servers liegt, gehören zur Dimensionierung dazu.
Woran Projekte in der Praxis scheitern
- Den Host nach der Kernzahl eines Aktionsangebots kaufen und RAM sowie Platten nachziehen „wenn es eng wird“.
- Hardware bestellen, die auf der Kompatibilitätsliste der eingesetzten ESXi-Version nicht steht.
- Denselben Datastore für Maschinen und Backup-Dateien verwenden.
- Nur den Leerlauf messen und die Last der Lohnverrechnung oder des Jahresabschlusses ignorieren.
Beispiel aus dem Betriebsalltag
Ein Händler in St. Pölten wollte einen Host „mit vielen Kernen“ aus einem Lagerangebot, dazu vier Festplatten ohne Cache-Schutz. Die Warenwirtschaft wäre rechnerisch auf die CPU gepasst, die Datenbank aber in denselben RAID-Verband wie die Sicherung. Wir haben den Kauf auf mehr RAM, SSD-Datastore mit geprüftem Controller und ein getrenntes Backup-Ziel umgestellt und die Kernzahl nicht weiter erhöht. Die Kompatibilitätsliste der vorgesehenen ESXi-Version hat ein anderes Mainboard ausgeschlossen, das auf dem Papier günstiger war. Der Host läuft seitdem mit Luft auf dem Datastore, und das Backup-Fenster kollidiert nicht mehr mit dem Tagesgeschäft.
Kurze Entscheidungshilfe
- Ist der Arbeitsspeicher größer als die Summe der fest zugewiesenen Maschinen plus Host-Reserve?
- Bleibt auf dem Datastore Freibereich, auch wenn ein Snapshot einige Stunden liegt?
- Liegt das Backup-Ziel nicht auf demselben RAID?
- Ist die Hardware gegen die vorgesehene ESXi-Version geprüft?
Wenn die Dimensionierung eines ESXi-Hosts bei Ihnen ansteht, klären wir den Umfang unverbindlich: VMware ESXi. Speicher für virtuelle Maschinen Alternativ direkt Kontakt aufnehmen oder die häufigen Fragen lesen.